Auf einen Blick
- Bakterielle Zellulitis ist eine akute Infektion der Haut und des Unterhautgewebes – nichts mit kosmetischer „Cellulite“ zu tun.
- Hauptverursacher: Streptokokken und Staphylokokken, die durch eine Hautverletzung eindringen.
- Symptome: rote, geschwollene, warme, schmerzhafte Hautstelle, oft mit Fieber.
- Behandlung: orale Antibiotika für 7–14 Tage. Bei schweren Verläufen Krankenhaus.
Wichtig: Wenn du gerade eine sich schnell ausbreitende, gerötete und schmerzhafte Hautstelle hast – besonders mit Fieber –, dann ist Hausarzt oder Notaufnahme die richtige Aktion, nicht Recherche. Bakterielle Zellulitis kann sich in Stunden ausbreiten und in seltenen Fällen lebensgefährlich werden.
Dieser Artikel hilft dir, das Krankheitsbild zu verstehen, ersetzt aber keine ärztliche Beurteilung. Stand 2026.
Was ist bakterielle Zellulitis?
Bakterielle Zellulitis (medizinisch Cellulitis) ist eine akute, sich ausbreitende Infektion der Haut und des darunter liegenden Bindegewebes. Sie entsteht, wenn Bakterien durch eine Eintrittspforte in die Haut gelangen und sich dort vermehren.
Die Hauterscheinung ist klassisch: ein klar begrenzter, geröteter, warmer und druckempfindlicher Bezirk, der sich oft schnell ausbreitet. Im Unterschied zu Erysipel (ebenfalls bakterielle Hautinfektion, eher oberflächlich, scharfe Grenzen) sitzt Zellulitis tiefer und ist meist diffuser begrenzt.
Häufige Erreger
- Streptokokken der Gruppe A (häufigster Erreger)
- Staphylococcus aureus, einschließlich MRSA in manchen Regionen
- Selten: Pasteurella, Pseudomonas, Erreger aus Tierbissen
Wie kommt es zur Infektion?
Die Bakterien brauchen eine Eintrittspforte. Die häufigsten:
- Schnitt- oder Schürfwunden, Operationsnarben
- Insektenstiche
- Tier- oder Menschenbisse
- Risse im Bereich des Fußpilzes (häufig zwischen den Zehen)
- Hautrisse bei trockener oder atopischer Haut
- Geschwüre, Druckstellen
- Tätowierungen oder Piercings unter unhygienischen Bedingungen
Risikofaktoren
- Diabetes mellitus
- Adipositas
- Lymphödem
- Chronische Venenschwäche
- Immunschwäche oder Kortikosteroid-Therapie
- Frühere Zellulitis-Episoden
- Höheres Lebensalter
Symptome erkennen
| Symptom | Mild | Schwer (sofort Notaufnahme) |
|---|---|---|
| Rötung, Wärme, Schwellung | begrenzt | großflächig, ausbreitend |
| Schmerz | moderat | stark, unverhältnismäßig |
| Fieber | leicht | hoch, mit Schüttelfrost |
| Allgemeinzustand | ok | Schwäche, Verwirrtheit |
| Hautveränderungen | homogen rot | Blasen, dunkle/lila Flecken, Nekrose |
Schwere Verläufe können auf eine nekrotisierende Fasziitis hinweisen – ein medizinischer Notfall, jede Minute zählt.
Diagnose und Behandlung
Diagnose
- Klinische Untersuchung (Aussehen, Begrenzung, Allgemeinzustand)
- Markierung der Rötung mit Stift, um Ausbreitung beobachten zu können
- Bluttests (Entzündungswerte CRP, Leukozyten, ggf. Blutkulturen bei Fieber)
- Eintrittspforte suchen (Fußpilz, Wunde, Insektenstich)
- Bei Verdacht auf tiefen Abszess: Ultraschall oder MRT
Behandlung milder bis moderater Verläufe
- Orale Antibiotika für 7–14 Tage (oft Cephalosporine, Penicilline, Clindamycin – je nach Verdacht und Region).
- Hochlagern der betroffenen Extremität.
- Schmerzmittel und Fiebersenker (Paracetamol, Ibuprofen).
- Kühlende Umschläge in akuten Phasen.
- Eintrittspforte mitbehandeln (z. B. Fußpilz mit Antimykotikum).
- Verlaufskontrolle nach 48–72 Stunden – Besserung sollte sichtbar sein.
Schwere Verläufe
- Stationäre Aufnahme
- Intravenöse Breitspektrum-Antibiotika
- Bei Abszessen oder nekrotisierenden Infektionen chirurgische Sanierung
- Engmaschige Überwachung der Vitalzeichen
Vorbeugung – vor allem bei Wiederholungsneigung
- Hautrisse und kleinste Wunden sofort reinigen und desinfizieren.
- Fußpilz konsequent behandeln – häufige Eintrittspforte.
- Bei trockener oder atopischer Haut auf Lipidpflege achten – Risse vermeiden.
- Bei Lymphödem oder Venenschwäche Kompressionsstrümpfe und konsequente Pflege.
- Diabetes optimal einstellen.
- Nach Tier- oder Menschenbiss immer ärztlich abklären.
- Bei wiederholten Zellulitis-Episoden ggf. dauerhafte Antibiotika-Prophylaxe mit dem Arzt besprechen.
Verwandte Themen
Spezielle Lokalisationen wie periorbitale Cellulitis und präseptale Zellulitis haben eigene Besonderheiten.
Häufige Fragen
Ist bakterielle Zellulitis ansteckend?
Nicht direkt von Mensch zu Mensch. Die Erreger werden über die eigene Hautverletzung in den Körper eingebracht.
Wann ist eine Klinikeinweisung nötig?
Bei hohem Fieber, schnell ausbreitender Rötung, schwerem Krankheitsgefühl, Blasenbildung, dunklen Hautstellen oder bei Risikopatienten (Diabetes, Immunschwäche).
Wie schnell wirken Antibiotika?
Erste Besserung sollte innerhalb von 24–72 Stunden zu sehen sein. Wenn nicht, sofort den Arzt informieren – ggf. ist ein anderes Antibiotikum nötig.
Reichen Hausmittel?
Nein. Bakterielle Zellulitis braucht Antibiotika. Hausmittel können unterstützend helfen, aber nicht behandeln.
Kann sie wiederkommen?
Ja, vor allem bei chronischen Risikofaktoren wie Lymphödem oder Venenschwäche. Hier ist gezielte Prävention wichtig.
Was ist nekrotisierende Fasziitis?
Eine seltene, sehr schwere Form bakterieller Weichteilinfektion mit Gewebeuntergang. Notfall – sofortige chirurgische und antibiotische Therapie nötig.
Letzte Aktualisierung 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf bakterielle Zellulitis bitte umgehend Hausarzt oder Notaufnahme aufsuchen.